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Linn Petersen, 16.07.2013

Bürgerschaftliches Engagement

Ehrenamtliche Helfer, die der Forschung unter die Arme greifen

ZiviZ steht für die gesellschaftlich wichtige Funktion des Handelns aus Gemeinsinn

 

Freiwilliges Engagement ist Ausdruck von Verantwortung und ein wichtiger Beitrag für das Gelingen einer Gesellschaft. Es gibt in Deutschland bereits 23 Millionen Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren. Die Zahl der Aktiven wächst stetig. Solche ehrenamtliche Helfer bereichern das soziale Miteinander und vermitteln Erfolgserlebnisse, die prägend sein können. Ein aktuelles Projekt bestätigt Rolle und Nutzen des Ehrenamts.

Freiwilliges Engagement ist Ausdruck von Verantwortung und ein wichtiger Beitrag für das Gelingen einer Gesellschaft. Es gibt in Deutschland bereits 23 Millionen Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren. Die Zahl der Aktiven wächst stetig. Solche ehrenamtliche Helfer bereichern das soziale Miteinander und vermitteln Erfolgserlebnisse, die prägend sein können. Ein aktuelles Projekt bestätigt Rolle und Nutzen des Ehrenamts.

„Zivilgesellschaft in Zahlen“ (ZiviZ) ist ein Projekt, das von dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, der Bertelsmann Stiftung und der Fritz Thyssen Stiftung ins Leben gerufen wurde. Die Aufgabe des Konzepts ist, den Dritten Sektor zu erfassen und zu analysieren. Unter dem Dritten Sektor werden Akteure verstanden, die weder rein staatlich noch privatwirtschaftlich organisiert sind – Vereine etwa gehören dazu. ZiviZ hat das Ziel, das Wissen über die organisierte Zivilgesellschaft zu erweitern und damit auch die Politik dafür zu sensibilisieren. Dabei werden Informationen zu Größe, Struktur und Funktion der Zivilgesellschaft in Deutschland ermittelt.

Bei ZiviZ wird deutlich, welche wichtigen Aufgaben die gemeinnützigen Organisationen übernehmen. Sie machen auf Probleme aufmerksam und nehmen auf die Meinungs- und Entscheidungsfindung in der Politik Einfluss. Fest steht: Durch die Organisationen wird ein Miteinander in den Kommunen organisiert und arrangiert, ebenso wie der Zusammenhalt gestärkt, die Eigenverantwortung gefördert und gefordert. Im Süden und Osten Deutschlands, gibt es die meisten gemeinnützigen Vereine, das fördert ZiviZ an die Oberfläche. Sport, Freizeit, Kultur und Bildung sind wichtige Betätigungsfelder der Einrichtungen. Demzufolge stehe die Zivilgesellschaft für demokratische Vielfalt. Aus diesen Gründen sei der gemeinnützige Sektor einer der am schnellsten wachsenden Bereiche, heißt es bei ZiviZ.

Milliarden Euro Bruttowertschöpfung

Jeder zehnte sozialversicherungspflichtig Beschäftigte arbeitet in einer Organisation der Zivilgesellschaft. Vereine, Stiftungen, gemeinnützige Gesellschaften und Genossenschaften tragen jährlich mit 89 Milliarden Euro zur Bruttowertschöpfung Deutschlands bei, was ungefähr dem Anteil der deutschen Bauwirtschaft entspricht. Zum Thema Finanzierung gibt es die meisten Fragen. Denn zivilgesellschaftliche Organisationen beziehen ihre Haupteinnahmen aus Mitgliedsbeiträgen, vor allem aus Spenden, aber auch aus Erlösen aus dem Verkauf von Waren und Dienstleistungen sowie aus staatlichen Zuwendungen.

Es gibt zahllose Beispiele für freiwilliges Engagement in Initiativen, sozialen Organisationen und interkulturellen Projekten. Tätigkeiten im sozialen Bereich sind unter anderem Lesepartner, die Kinder für das Lesen und die Literatur begeistern sollen. Integrationslotsen – so ein anderes Projekt – unterstützen Migranten beim Zurechtfinden in Deutschland. Und Fachleute verschiedener Berufsgruppen stellen ehrenamtlichen Helfern ihr Wissen zur Verfügung. „Wer sich freiwillig für andere einsetzt, ist eine wichtige Stütze unserer Gesellschaft“, verdeutlicht die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Kristina Schröder. Der steigende Trend zum freiwilligen Engagement scheine angekommen zu sein. Die Ministerin weiter: „Wir müssen diese Leistungen stärker anerkennen und fördern. Der aktuelle Freiwilligensurvey zeigt: Es gibt eine große Bereitschaft zum Engagement bei Jung und Alt. Diese Bereitschaft müssen wir unterstützen. Denn vom ehrenamtlichen Engagement profitieren nicht nur die anderen, sondern auch die Freiwilligen selbst.“

Der Hauptschullehrer Heinz Lienenbecker ist ein umfassend gebildeter Biologe, aber vor allem ist er ein Feldbotaniker, der sich kaum wie ein anderer in seinem Gebiet auskennt. Langezeit hat Lienenbecker naturwissenschaftliche Basisarbeit ausgeübt und dabei tausenden Schülern die Liebe zur Natur vermittelt, ihnen elementare Artenkenntnisse gelehrt und sie zu eigenem Entdecken angeregt. Ebenso lange hat er erwachsene Menschen mit Profession in Arbeitsgemeinschaften, Kursen und Exkursionen in geobotanischer Theorie und Praxis geschult, bis sie selber gut genug waren, bei Bestandsaufnahmen und Kartierungen teilzunehmen. Er hat sich in führender Rolle an allen Landesprojekten beteiligt, die unsere Kenntnis der dahinschwindenden Wildpflanzenvielfalt zu aktualisieren versucht haben. Eigentlich eine Aufgabe von Ämtern und Behörden, mit der sie jedoch hoffnungslos überfordert sind, wenn sie nicht die Citizen Scientists hätten, die ihnen dabei unter die Arme greifen. Solche Citizen Scientists wie Heinz Lienenbecker, die Lehrer, Forscher und Wissenschaftler zugleich sind (Fallbeispiel aus: P. Finke, Citizen Science: Das Wissen der Bürger. Erscheint 2014: Oekom-Verlag, München). Der Wissenschaftstheoretiker Finke betonte bei seinem Vortrag „Was ist Citizen Science“ an dem Catherine’s College in Oxford: „Citizen Science ist eine der stärksten, traditionsreichsten und zugleich modernsten Ausdrucksformen bürgerschaftlichen Engagements.“ Solch ein „Basiswissen“ welches Heinz Lienenbecker sich selbst angeeignet hat, ist wichtig für jede Wissenschaft. Eine größere Wertschätzung dieser Menschen und ihren Erkenntnissen wünscht sich auch Peter Finke: „Es ist falsch, nur die Gipfelbezwinger als Bergsteiger zu feiern und zu fördern; ihre Grundlage legen vor allem die anderen, die meistens weiter unten zurück bleiben, aber dieselbe Lust am Bergsteigen teilen.“

Aus der ZiviZ-Arbeit lässt sich ableiten, dass sowohl ehrenamtliche Mitarbeiter sowie die besondere Ausprägung als Citizen Scientists eine entscheidende Rolle in der Gesellschaft spielen. So bieten sie in vielen Bereichen Hilfestellung, die jedoch nur erschwinglich ist durch unbezahlte Ausübung. Sie engagieren sich aus eigenem Interesse und investieren ihre freie Zeit für Mitmenschen. Deswegen sind sie meist mit Herz und Leidenschaft bei der Sache, führt ZiviZ aus. Ebenso sei eine ehrenamtliche Tätigkeit für jeden zugänglich, Vereine und Organisationen freuen sich über neue Mitglieder. Abschließend betont Peter Finke: „Jeder ist ein Wissenschaftler. Wir alle besitzen die hierfür nötigen natürlichen Fähigkeiten, nur muss man sie ernst nehmen und sich ihnen anvertrauen.“

 

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