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K. Walter Haug

Jahre im Feld ohne Anerkennung

Privatarchäologische Forschungen an „megalithischen Cairns“ in Baden-Württemberg –
ein kritischer Erfahrungsbericht

Es gibt Stufenpyramiden in Deutschland. Und es darf eigentlich keine Stufenpyramiden in Deutschland geben. Das ist das Anerkennung-Problem der Cairns-Forschung. Durch einen Artikel in der Welt am Sonntag (1. Juni 2014) erfuhren wir von Citizen Science. Für uns war es eine nahezu traumhaft erscheinende Tatsache, dass es tatsächlich auch Wissenschaftler gibt, die wissenschaftliches Bürgerengagement zu würdigen wissen. Wir leben und forschen ja nicht in den USA, sondern in Deutschland, das für seine Autoritätsgläubigkeit bekannt ist (Adorno 1973). Hierzulande hat jeder Anspruch auf Glaubwürdigkeit, wenn er einen akademischen Abschluss vorzuweisen hat. Aber ganz besonders gilt dies, wenn er als Akademiker in Staatsdiensten steht. Laienforscher dagegen werden oft mit dem Makel der Spinnerei behaftet. Meist werden sie nicht für voll genommen, geschweige denn offiziell anerkannt. Das ist unsere bisherige, traurige Erfahrung. Als eifriger STERN-Leser, der mit „Jugend forscht“ groß geworden ist, hielt ich gesellschaftliche Transparenz auch im wissenschaftlichen Leben für selbstverständlich – wurde bisher aber herb enttäuscht.

Felsnekropole Crocefisso del Tufo bei Orvieto, gemauerte Grabhügel in einem Steinbruch wie bei uns. Leider verhindert der Baumbewuchs hierzulande, dass sich vergleichbare Bilder von oben schießen lassen. Jedoch sind unsere Monumente durchweg alle größer.

Seit 1990 engagiert sich die Privat-Archäologie in der Erforschung eines Phänomens, das jeder staatliche Archäologe Frankreichs oder Großbritanniens sofort als megalithischen Cairn erkennen würde. Nur hier im Land der Entdeckungen, in Baden-Württemberg stoßen, wir von Amtsseite auf heftigsten Widerstand. Die Anerkennung dieser wirklich gewaltigen prähistorischen Monumente blieb aus, obwohl nun auch der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann den „hohen ehrenamtlichen Einsatz“ der Cairn-Forschungsgesellschaft für die „Geschichtsforschung“ und die „Suche nach Pyramiden in Baden-Württemberg“ anerkannt hat (Stufenpyramiden, da Cairns von französischen Archäologen auch so bezeichnet werden).

Funde im Westen und Nordwesten Europas

Die Cairn-Funde wurden bisher nur im Westen und Nordwesten Europas gemacht, erstrecken sich offiziell bis Ostfrankreich und den Elsass. Deshalb sind wir uns auch bewusst, dass die Cairn-Forschung ein spezielles neues Forschungsgebiet ist, das hierzulande nur wenige kennen, da deutsche Kleinstaat-Archäologie sich generell nur mit dem konventionellen Forschungsbereich im eigenen Ländle beschäftigt.

Da die meisten Entdeckungen in „Steinbrüchen“ gemacht wurden, hält die Allgemeinheit und auch das baden-württembergische Landesamt für Denkmalpflege(LAD-BW) sie für „ummauerte Schutthalden“. Denn die Mauern der Monumente sind ja unter dem Erosionsschutt von Jahrtausenden überall erkennbar. Diese verwegene Theorie der Staatsarchäologen setzt aber die Existenz von Schutt hinter den Außenmauern voraus. Dieser Nachweis wurde von den Staatsarchäologen bis heute nicht erbracht, dennoch werden unsere Forschungsbemühungen mit dieser unbewiesenen aber offiziellen Pseudo-Theorie ins Lächerliche gezogen.

Bei den mehrjährigen Ausgrabungen an der Zwerchhälde von Sternenfels konnten wir nun 2013 mittels Baggergrabung 5 Meter hinter einer wohlerhaltenen Fassade dieses gigantischen Monuments nur horizontal gesetzte Sandstein- und Tonschieferplatten, also Trockenmauerwerk entdecken. Schutt würde ja durch den Schüttvorgang schräg zu liegen kommen und aus gemischten Materialien unterschiedlichster Güte bestehen. Ein erweiterter Grabungsschnitt könnte jederzeit erfolgen, wenn diese erste Beweisführung von interessierten Wissenschaftlern nicht anerkannt werden sollte. Somit haben wir es mit einem massiven Bauwerk von über 20 Meter Höhe, rund 60 Meter Breite und etwa 80 Meter Länge zu tun, der größte erforschte Cairn Europas, der nun in ganzem Umfang freigelegt werden sollte.

Das Amt verweigert die Anerkennung dieses Bauwerksschnittes, ebenso die Gutachten von Geologen, Steinbruchmeistern und Architekten, die uns alle bestätigen, dass es sich nicht um Schutthalden handelt, da diese in kleinen Steinbrüchen nicht im entferntesten so groß werden. Ein Spezialist für megalithische Grabformen wie Dr. Diether Ziermann vom Landesamt für Kultur und Archäologie in Stade/Niedersachsen bescheinigte uns schon Anfang des Jahrtausends nach Vorlage von Fotos Forschungsbedarf. Doch keiner im LAD-BW hört auf ihn oder findet es auch nur angebracht, ihn zu Rate zu ziehen.

Tatsache ist und durch eigene Aussagen der Amtsinhaber bestätigt wurde: Keiner im LAD-BW hat es je für nötig befunden, sich in die spezielle Forschungsrichtung Cairn-Archäologie einzuarbeiten, weil die in Deutschland ein absolutes Novum ist. Niemand hat sich eingehend mit Abbautechniken in historischen und prähistorischen Steinbrüchen befasst, insbesondere mit den durch Spitzmeißel geglätteten Felswänden, wie sie schon in den ältesten Pyramiden-Steinbrüchen Ägyptens vorkommen – und eben auch in den von uns erforschten Cairn-Felsnekropolen. Man hat ja keine Zeit, da man durch die ständigen Notgrabungen schon überfordert ist. Keine einzige Minute wurde in Grabungsarbeit investiert, keine historischen Recherchen bezüglich der wahren Verhältnisse im Umgang mit Abraum angestellt, was wir alles getan haben und zu völlig anderen Ergebnissen gelangt sind, als die pauschal argumentierenden Staatsarchäologen. Was sind dann solche höchst ärgerlichen Stellungsnahmen staatlicherseits überhaupt wert?

Mittlerweile wurde viele weitere Funde in anderen Teilen des deutschen Mittelgebirgsraum gemacht, die auf www.megalith-pyramiden.de begutachtet werden können. Megalithische Cairns sind gemauerte Grabhügel mit Ganggräbern und Grabkammern. Hierzulande wurden sie verblüffender Weise in Berghänge hinein gebaut, weshalb man sie über die Jahrtausende hinweg als Halden normaler Steinbrüche verstanden hat. Doch das ist in der europäischen Archäologie kein singuläres Phänomen. Seit Jahren versuchen wir die Staatsarchäologen darauf aufmerksam zu machen, dass es solche „Steinbruch“-Nekropolen auch in Italien gibt, insbesondere bei Cerveteri die 1,2 Kilometer lange Banditacci-Nekropole und bei Orvieto die Nekropole Crocefisso del Tufo, welche von den Etruskern zwischen dem 5. und 7. Jh. v. Chr. in den Fels gebrochen wurden. Dort stehen die gemauerten Grabhügel, Tumuli genannt, genauso dicht wie bei uns. Auch die Franzosen nennen ihre Cairns alternativ Tumuli.

 

Die Zwerchhälde von Sternenfels, ein Cairn von rund 20 Meter Höhe, etwa 60 Meter Breite und rund 80 Meter Länge, auf drei Seiten von geglätteten Felswänden umgeben.

 

Eine von mindestens drei vergleichbaren Nekropolen in Süddeutschland ist die Steingrube von Maulbronn-Schmie. Sie erstreckt sich über rund 700 Meter und beinhaltet 20 Cairns, die auf der Talseite aneinander gemauert einen mächtigen Wall bilden. Dessen gemauerten Partien erstrecken sich bis runter zum Talgrund über mehr als 20 Meter Höhe. Ein gut erhaltenes Teilstück dieser einst mächtig aufragenden Wand ist zu besichtigen. Vier Gangportale sind erkennbar und könnten jederzeit geöffnet und erforscht werden, das Einverständnis der Privatbesitzer vorausgesetzt. Eines der Portale befindet sich sogar auf Gemeindegrund, was eine Genehmigung erleichtern würde. Nur das LAD-BW zeigt keinerlei Interesse, diesen Gang zu erforschen. Es würde an Personal, Zeit und Geld fehlen, man wäre stattdessen ständig mit Rettungsgrabungen beschäftigt, so das gebetsmühlenhaft wiederholte Mantra. Unsere Erfahrung: Jede mittelalterliche Kloake, jede jungsteinzeitliche Abfallgrube wird gerettet. Wenn es um den Nachweis der eigenen Hochkultur geht geschieht nichts.

 

Logik der „Steinbruch“-Monumente

Wer die Logik der „Steinbruch“-Monumente einmal verstanden hat, entdeckt sie überall. Die größten Exemplare erreichen Längen von über 440 Metern und Höhen von über 30 Metern – so zum Beispiel das Paradies-Monument am Jägerhaus von Heilbronn, das als der flächenmäßig größte Steinbruch Baden-Württembergs gilt. Diese Fläche wird hauptsächlich durch ein Monument eingenommen, das sich fast nahtlos in den Berghang einfügt. Lediglich die Hinterwand wurde zum neuzeitlichen Steinbruch erweitert. An der Außenmauer dieses gigantischen Monuments befindet sich ein Sarkophag, auch Steinkiste genannt, die es in vergleichbarer Form seit der Jungsteinzeit in Deutschland gibt. Natürlich wird auch dieses rundum gemauerte Bauwerk als Schutthalde ausgegeben. Wenn man sich die dünne Deckschicht über dem abbaubaren Fels anschaut, so kann nur relativ wenig Abraum angefallen sein, und den hätte man gewiss nicht so mühsam aufgetürmt. Grundsätzlich steht das Volumen des angeblichen Abraums in einem diametral entgegengesetzten Verhältnis zur Ökonomie eines solchen Unternehmens.

Mehr als 10 Gangportale sind inzwischen in Süddeutschland bekannt, aber das LAD-BW weigert sich, diese zu öffnen und zu erforschen. Wir würden das gerne tun, bekommen aber keine Genehmigung. Die Kooperation mit dem LAD-BW ist gleich Null, da der im Laufe der Jahrzehnte gewachsene gegenseitige Widerwille keine vernünftige Kommunikation mehr zulässt. Man behandelt uns als Spinner und wimmelt unsere Kooperationsersuchen ab. E-Mails werden nicht beantwortet.

Aufgrund dieses fahrlässigen Falschgutachtens gelingt es uns auch nicht, mit Wissenschaftlern an Universitäten und Fachhochschulen in Kontakt zu treten, die uns in unseren Forschungsbemühungen unterstützen könnten. Das ist das größte Ärgernis überhaupt, die gedankenlose Autoritätsgläubigkeit auch unter Wissenschaftlern, die sich nicht einmal die Mühe machen, unsere umfangreichen Argumente gewissenhaft zu prüfen.

 

Schulterschluss mit den Hochschulen erforderlich

Wenn die Cairn-Forschung in Deutschland endlich in Fahrt kommen soll, müssen sich Universitäten und Fachhochschulen engagieren. Die Fachschaft Geophysik der damaligen Universität Karlsruhe hat das bereits getan und durch Philipp Heidinger von 2004 bis 2006 geomagnetische und geoelektrische Messungen an der Zwerchhälde durchführen lassen. Das führte zu Hinweisen auf mehrere Hohlräume und einen zentralen, der über fünf Meter hoch ist.

Problem: Nur Grabungsergebnisse unter Teilnahme von Vertrauenspersonen des Amts wegen werden offiziell anerkannt. Ohne Wissenschaftler gibt es also auch keine Anerkennung unserer hochkulturellen Cairns in Deutschland – ein Teufelskreis. Wir wären also ein idealer Kandidat für die Zusammenarbeit mit archäologischen Fakultäten im Sinne der Citizen Science-Philosophie. Studenten könnten ihre Praxis-Scheine durch Grabungen an Cairns und in Grabgängen machen. Methodisch stimmen wir uns ab – Arbeitsteilung wäre möglich.

Im Verbreitungsgebiet der Cairns zwischen Rhein und Neckar kommen hierfür die Universitäten in Heidelberg mit dem Institut für Klassische Archäologie und für Ur- und Frühgeschichte sowie Freiburg mit der klassischen und urgeschichtlichen Archäologie in Frage. Auch die Fachhochschulen Karlsruhes und Mannheims führen im Studium Bauingenieurswesen/Bauhistorik archäologische Grabungen durch; sie wären als Kooperationspartner geeignet.

 

Fazit

Wir sind uns mehr als schmerzhaft bewusst, dass Professional Scientists sich von Laien oder Bürgerwissenschaftlern nur ungern etwas sagen lassen beziehungsweise von ihnen lernen wollen. Aber nach 24 Jahren Feldforschung sind wir dem Laienstand entwachsen. Wir haben Erfahrungen gesammelt, die bisher keiner mit uns teilen wollte, aber einzigartig sind. Wer sich für unsere Forschung entscheidet, dem öffnet sich eine völlig neue Welt. Das Staatsmonopol auf Archäologie, ein Relikt des Feudalismus, muss von der Politik gebrochen und Privatinstitute, die arbeitslose Archäologen anstellen, zugelassen werden. Anders lassen sich die zahlreichen Cairns und Stufenpyramiden gar nicht erforschen.

 

Kontakt:

K. Walter Haug

Cairn-Forschungsgesellschaft

E-Mail: walha1a@aol.de

www.megalith-pyramiden.de

 

 

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